Die Google-Such-Analyse unseres Blogs hat uns einen zarten Hinweis darauf gegeben, wie die meisten Menschen den Weg zu uns finden. Und Überraschung: Es ist nicht über ihr Interesse an Geschichten über skurrile Baumissgeschicke oder unsere Beschwerden über nervige Behördengänge. Nein… die meisten wollen ganz einfach knallharte Infos zu ökologischem Bauen im Allgemeinen und Bauen mit Hanf im Speziellen. Also let’s go!
Hemp, there it is - but why?
Für alle werdenden Bauherren oder -damen, die sich mit dem Thema Ökologisches Bauen beschäftigen, stellen sich die gleichen Fragen: Welche Baustoffe gibt es? Welche jeweiligen Vor- oder Nachteile haben diese? Wie ökologisch sind sie wirklich? Und vor allem: Was kostet der Spaß? Wir können hier zwar keine Gesamtanalyse der ökologischen Bauwelt vornehmen, aber wir können zumindest unsere Erfahrungswerte festhalten, die möglicherweise schon ein guter Anhaltspunkte für alle jene sind, die sich für das Bauen mit Hanf interessieren.
Wie seid Ihr auf Hanf als Baustoff gekommen?
Eigentlich war es nur ein Zufall, und das Haus war ursprünglich mit Porenbeton-Stein geplant gewesen. Da wir aber gerne mehr Fokus auf nachhaltiges Bauen legen wollten, haben wir nach einem darauf spezialisierten Architekten gesucht. Wir haben dann Michael gefunden, der in Süddeutschland bereits mehrere Projekte mit Hanf als Baustoff verwirklicht hat und vor Kurzem nach Berlin gezogen ist. Er hat unseren Bau dann neu konzipiert. Mehr Infos zu Michael gibt es auf seiner Homepage.
Und was ist an Hanf so toll?
Hanf als Baustoff hat einen weitaus geringeren CO2-Fußabdruck. Er ist eine sehr schnell nachwachsende (weil natürliche) Ressource, die CO2 langfristig bindet. Außerdem erzeugt dieser diffusionsoffene Baustoff ein hervorragendes Raumklima, was unsere allergiegeschädigte Familie sehr willkommen heißt. Nicht zuletzt würde Hanf bei einem Abriss des Gebäudes sehr leicht zu trennen und recyclen sein, was bei anderen gängigen Baustoffen nicht der Fall ist – diese erzeugen jährlich den größten Anteil an Müll in ganz Deutschland in Form von Bauschutt.
Aber ist das Bauen mit Hanf jetzt nicht viel teurer als geplant?
Hanf als Baustoff ist nur wenig teurer als zB Beton. Man muss für den Rohbau mit ca. 10% mehr an Kosten rechnen. Da das bei uns gerade noch so ins Budget passte, haben wir grünes (haha) Licht gegeben.
Hanf ist doch eine Pflanze. Wie kann man daraus ein Haus bauen?
Teile der Hanfpflanze werden mit Kalk vermischt und daraus werden Steine gepresst. Diese müssen nicht CO2-intensiv gebrannt werden wie andere Steine. Allerdings haben sie keine statischen Eigenschaften und könnten alleine kein Haus tragen. Sie müssen mit Stahl verstärkt werden.
Aber wenn man viel Stahl verwendet, ist das Ganze ja schon wieder nicht mehr so ökologisch, oder?
Stimmt absolut. Aber die Bilanz ist trotzdem immer noch weitaus besser, als würde man ausschließlich mit herkömmlichen Baustoffen bauen. Unser Haus ist nicht zu 100% ökologisch, das ist auch gar nicht möglich. Wir verwenden Beton und auch Stahl, aber in Maßen. Hier gilt wie so oft: Don’t let the perfect be the enemy of the good.
Ich brauche noch viel, viel mehr Infos über Hanf als Baustoff. Wo bekomme ich das her?
Mehr Infos zum Bauen mit Hanf finden sich bei dem Hersteller unserer Steine: IsoHemp.
Was muss beim Bauen mit Hanf beachtet werden?
Hanfbausteine verhalten sich anders als gebrannte Konkurrenzprodukte wie Porenbetonsteine. Sie sind leicht bröselig in der Zusammensetzung und haben keine statischen Eigenschaften. Sie müssen mit Stahl (und gegebenenfalls Beton) stabilisiert werden. Beim Anbringen von Verschalungen muss darauf geachtet werden, dass tiefe Dübel gesetzt werden, um ein Rausbrechen zu verhindern. Des Weiteren muss die Verschalung selbst großflächig angebracht werden, um ein Brechen der Steine zu verhindern (siehe unser Artikel hier).
Generell sollten sich alle auf der Baustelle tätigen Personen über die Beschaffenheit der Steine bewusst sein. Bei uns wurden immer wieder an Ecken und Kanten kleine oder große Stücke aus den Steinen gebrochen, weil Kabel oder Schläuche achtlos hindurchgezogen wurden oder Personen durch die Fenster geklettert sind und dabei Teile abgebrochen sind (siehe Bruchfoto oben). Das ist alles zu reparieren, zum Glück. Aber wer etwas Obacht walten lässt, kann sich diese Reparaturarbeiten ersparen.
Was sagen die Bauarbeiter über die Verarbeitung der Hanfsteine?
Zum Ende der Rohbauarbeiten erreichte uns mehrfach positives Feedback. Sowohl einer der Rohbauer, als auch der Bauleiter selbst, lobten die Hanfsteine als Baustoff sehr. Die Verarbeitung ist anfangs eine kleine Umstellung, dann aber doch angenehm und einfach. Das geringe Gewicht tut sein Übriges, um die Verwendung zu erleichtern. Auch der Schnitt der Steine ist nicht kompliziert. Die Bauleiter zukünftiger Baudamen und -herren sollten sich jedoch die warnenden Worte merken: Die Verarbeitung des Stahls, der nötig für die Skelettstruktur ist, die die Hanfsteine umgibt, sollte zeitmäßig nicht unterschätzt werden. Hier sollte im Bauzeitenplan genug Zeit eingeplant werden, um nicht – wie wir am Ende – übelst hinterherzuhinken.
Was sagen Baudame und -herr über die Verarbeitung der Hanfsteine?
Diese Frage ist von daher zulässig, dass wir beide in den letzten Wochen selbst mit Hand angelegt haben. Beim Verputzen der Fensterlaibungen mit Kalk-Grundputz haben wir die Hanfsteine aus nächster Nähe kennengelernt und damit gearbeitet (nachzulesen hier). Anfangs waren wir ob der bröseligen Grundstruktur überrascht, haben uns aber schnell damit angefreundet. Man arbeitet eben nicht mit einem standardisierten und normierten, gebrannten Material, sondern stattdessen mit einem natürlichen Baustoff. Wer zu feste an den Ecken bröselt, hat dann schon mal einen Hanfstiel in der Hand. Diese Unregelmäßigkeiten sind aber kein Nachteil… sie können leicht entfernt (wenn zu viel) oder mit Hanflehmmischung ergänzt (wenn zu wenig) werden. Alles in allem sind unsere Putz-Erfahrungen, die sich ja primär mit der Oberfläche der Hanfsteine befassen, durchweg positiv. Grüner Daumen hoch!
Schon klar, soviel zum Verputzen. Das erklärt sich alles von selbst. Aber seid Ihr schon mal tiefer in das Baumaterial hinabgestiegen?
Yep. Bis ganz hinein in den Stein. Nach den Putzarbeiten haben wir aktiv bei den Elektroarbeiten mitgewirkt und durften den Bohrhammer durch Hochlochziegel und Hanfkalkziegel gleichermaßen fräsen lassen (nachzulesen hier). Auch hierbei haben wir nur positive Erfahrungen gemacht. Das Bohren war natürlich im Vergleich bei den Hanfziegeln weitaus einfacher, aber der Vergleich ist natürlich auch etwas unfair: Während die Hanfziegel „nur“ dämmen, müssen die Hochlochziegel ja auch noch tragen. Nichtsdestotrotz ist die Vorbereitung von Löchern für die Steckdosen und das „Schlitzen“ der Wände für die Kabelkanäle bei den Hanfziegeln ein purer Genuss. Das Bohren geht problemlos von der Hand und kleinere Ungenauigkeiten können per grabender Hand ausgeglichen werden. Easy.










