Die letzten Wochen auf dem Bau waren ereignisreich und erschöpfend, in vielerlei Hinsicht. Und endlich haben auch Bauherr und -dame die Arbeitshandschuhe übergezogen und selbst Hand angelegt. Gründe dafür gibt es einige.
Oh, I know your back hurts,
from working on the tractor,
how do you take your coffee, my sweet?
Paula Cole, "Where have all the cowboys gone"
Seit über 2 Jahren sitzen wir regelmäßig mit unserem Architekten über einem übertrieben detaillierten Excelsheet, das so voller Zahlen und Formeln ist, dass es eine helle Freude für Mathefreunde wie mich ist. Und natürlich geht es um Geld: Was kostet wieviel, wer bietet es günstiger, wer bietet es nachhaltiger? Was kann gespart, wo kann gestrichen werden, was ist unentbehrlich? Und bei der Frage nach Sparpotentialen kommen wir immer wieder zu dem Punkt der eigenen Beteiligung an den Arbeiten der Baustelle. Denn für die eigene Arbeit muss man ja zum Glück niemanden bezahlen, was sich erstmal wie ein prima Deal anhört.
Neben dem primären Antreiber der Kostenreduktion kann man auch nicht leugnen, dass das Mitarbeiten am Bau ein befriedigender Akt ist. Man arbeitet am eigenen Haus, in dem man irgendwann für lange Zeit wohnen möchte. Man erschafft etwas, das für viele Jahrzehnte Bestand haben soll. Und für Menschen, die jeden Tag mit einem Computer ihr Geld verdienen, ist es eine willkommene Abwechslung, an der frischen Luft und mit den Händen zu arbeiten. Nicht zuletzt hat man auch die Möglichkeit, alle anderen Arbeiten auf der Baustelle zu überblicken, was besonders wertvoll ist, wenn man mit dem Baufortschritt und der ausführenden Firma unzufrieden ist (doch das wird Thema für einen anderen Post).
Die erste Möglichkeit, endlich unsere eigenen Ärmel hochkrempeln und dabei Kosten reduzieren zu können, kam nun bei der Putzarbeit. Bald sollen die Fenster und Außentüren geliefert werden und diese benötigen eine etwas härtere Druckfläche, als sie vom bröseligen Hanfkalkstein gewährleistet werden kann. Das bedeutet, dass die Fenster- und Türlaibungen mit einem natürlichen Kalkputz grundiert werden müssen, auf dem die Fenster und Türen besser befestigt werden können. Das Gute an diesem Arbeitsschritt: es ist keine Topqualität in der Ausführung nötig. Denn über den Grundputz wird später (vom Profi) ein Außenputz aufgebracht, so dass die grundierte Fläche am Ende nicht mehr sichtbar sein wird. Dieser Umstand erlaubte uns ungelernten Atzen, entspannte erste Schritte im dilletantischen Auftrag vom Kalkputz zu wagen.
Und so waren die letzten Wochen geprägt vom 25kg-Kalkputz-Schleppen, anrühren mit Wasser (was tierisch auf den unteren Rücken geht), Schleppen der Eimer durch den Rohbau und immer wieder putzen, putzen, putzen. Anfangs war der Materialverlust durch Kleckerunfälle hoch, und die filigranen Informatikerfinger waren irgendwann übersät mit Pflastern, die wiederum das effiziente Tippen im „Zweitberuf“ am Computer brutal erschwerten. Gerade das Verputzen über Kopf an den Fensterstürzen sorgte bald für Muskelkater und brachte uns die Wichtigkeit der richtigen Konsistenz der Rührmischung nahe. Denn eine dünne Mischung hält nicht an Decken, sondern landet zur Bestrafung direkt im Gesicht des Verantwortlichen. Gutes und direktes Feedback jedenfalls.
Und jetzt, da wir mit der Putzarbeit fast fertig sind, können wir konstatieren: Geld gespart, neues Handwerk gelernt, viel frische Luft bekommen und interessante Menschen kennengelernt (wobei die Kommunikation nur durch Gestik und Mimik möglich war, weil sich keine gemeinsame Sprache fand; hat aber gereicht). Die Hände sind langsam verheilt und haben ein bisschen Hornhaut bekommen, die letzten Fenster gingen so leicht von der Hand, dass es fast schon ein wenig Spaß gemacht hat, und wir haben unser zukünftiges Zuhause viel näher kennengelernt. Es war sicher nicht das letzte Mal, dass wir selbst Hand angelegt haben. Die nächsten Aufgaben stehen schon auf der To-Do-Liste. Wir werden berichten.

