Er steht einsam und ungelenk auf weiter Flur, seine Haltung ist angreifbar und täuscht Verletzlichkeit vor. Doch in Wahrheit ist er der einsame Held, dessen schwächlich wirkendes Äußeres verbirgt, wie mächtig er ist. Er ist… der Kran.
"Balance is a key to success in life."
- Mr. Miyagi
Der Kran ist der unbesungene Held der Baustelle. Seine dünne Statur vermittelt den Eindruck von Verletzlichkeit oder Schwäche, aber in Wahrheit verrichtet er die absolute Schwerstarbeit auf der Baustelle. Nicht zu Unrecht ist er auch der absolute Blickfang, vor allem für kleine BaustellenbesucherInnen. Wenn er sich langsam und schwerfällig in Bewegung setzt um gefühlte Wunder der Schwerkraft zu vollbringen, folgen ihm glasige Kinderaugen aufmerksam. Es verwundert also nicht, dass Juri (4) nach unserem Kran fragt, seit er verstanden hat, dass wir eine Baustelle betreiben werden. Wir sahen uns lange gezwungen, ihn zu vertrösten.
Denn zu Beginn war einfach kein Platz auf der Baustelle. Zuerst war der vermaledeite Erdhaufen im Weg, danach musste die Zufahrt für den Bagger freibleiben. Später kamen Hanfsteine und weiteres Material hinzu, sodass für den Kran nur ein vergleichsweise schmaler Streifen neben dem seitlichen Streifenfundament verblieb. Nichtsdestotrotz war für ihn ein spezieller Platz reserviert: Der Boden dort wurde gesondert befestigt und festgerüttelt, und an dieser Stelle durfte wochenlang nichts anderes mehr abgestellt werden. Für dieses besondere Instrument wurde ein fester Platz auf der Baustelle und in unseren Herzen reserviert.
Und wir kümmerten uns nicht nur darum, einen physischen Platz für ihn freizuhalten. Nein, wir kümmerten uns auch um die speziellen Bedürfnisse, die die Berliner Behörden im Bezug auf Kranstellungen haben. Von allen Nachbarn im Umkreis von 30 Metern (immerhin 6) mussten wir persönliche Überschwenkgenehmigungen einholen. Sie mussten uns erlauben, den Kran über ihren Grundstücken lastfrei zu schwenken. Sinnigerweise ist dies eine Genehmigung, die zwar eingeholt werden muss – aber die Nachbarn haben eigentlich kein Recht, sie uns zu versagen. Es sei denn, sie möchten gerade selbst einen Kran stellen. Hach, die Behördenlandschaft, sie hat ebenfalls einen speziellen Platz in unseren Herzen.
Als uns der Kranführer dann eines schönen Tages endlich besuchen kam, dauerte es nicht lange, bis Ernüchterung einsetzte: Die Einfahrt sei um einen Meter zu schmal für den Ausleger. Der Kran würde wohl seinen Weg auf die Baustelle finden, aber niemals mehr herauskommen. Wenn wir also nicht vorhätten, den Kran zu kaufen und als Gartenkunstwerk stehenzulassen (hatten wir nicht), würden wir die Baustelle ohne Kran realisieren müssen. Michael versuchte noch, einen Abtransport per Hubschrauber zu realisieren (always dream big!), aber der Kranführer konnte dem nichts abgewinnen. Juri und wir anderen mussten uns damit abfinden: Einen Kran würde es auf unserer Baustelle nicht geben. Aber was solls… die Ägypter haben die Pyramiden ja auch irgendwie ohne Kräne hinbekommen. Und für Notfälle kann man sich immer temporär einen kleineren mobilen Kran kommen lassen (siehe unten).
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