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Neubau
Löcher stapeln

Fundament fertig, Steine am Start – es hätte so schön werden können mit dem Mauerstart. Aber als wir die gut verschnürten Hanfsteine auspackten, eröffnete sich uns ein neues Problem; die Steine hatten Löcher!

There's a hole in my soul,
it's been killing me forever.
There's a place, where a garden never grows.

- Steven Tyler, Aerosmith, der unseren Loch-Schmerz wie kein anderer versteht.

Bei unserer wöchentlichen Familieninspektion fiel es selbst den Kindern schnell auf: Die gelieferten Hanf-Steine hatten Löcher! Diese Art von Loch-Steinen hat sicher eine Existenzberechtigung für irgendeinen bestimmten Einsatzzweck. Aber in unserem Fall waren sie leider eine Fehl-Lieferung; es musste im belgischen Lager bei der Beschriftung der Steinpaletten ein Fehler unterlaufen sein. Wochenlang haben also die falschen Steine auf unserem Grundstück rumgelegen, ohne, dass man es ihnen von außen hätte ansehen können. Als wir sie dann endlich nackt vor uns zu stehen hatten, mussten wir erstmal ausführlich die Köpfe schütteln. Die Köpfe hängen lassen jedoch, dafür ist auf einer Baustelle weder Zeit noch Geld vorhanden. Darum beschäftigten wir uns schnellstmöglich mit möglichen Problemlösungen.

Neue Steine bestellen, um die Falschen ersetzen, war natürlich möglich – die Hersteller sagten uns dies sofort ohne entstehende Kosten zu. Aber dabei würden uns erneut Tage oder Wochen verlorener Zeit drohen. Doch zum Glück hatten wir findige und kreative Leute auf der Baustelle. Wir begannen also mit listigem Löcherstapeln: Die Steine mussten beim Aufbau der Erdgeschosswände derartig gestapelt werden, dass die Löcher direkt übereinander sitzen. So konnten wir trotz der falschen Steine mit dem Mauerbau beginnen und das Problem der Löcher erstmal auf unbestimmte Zeit auf das oberste Brett des Regals für Zukunftsprobleme stellen. Zeitgleich arbeiteten wir auf Hochtouren mit dem Steinhersteller, um eine effiziente und schnelle Lösung für die Löcher zu finden. Die Belgier gaben sich die größte Mühe, den Faux-Pas schnellstmöglich aus der Welt zu schaffen.

Der Umstand, mit dem wir uns konfrontiert sahen: Die Löcher durften nicht Löcher bleiben, denn der Dämmwert der Wand würde es uns nie verzeihen. Würde es reichen, trockenes Hanfkalkfüllmaterial in die Löcher zu rieseln und sie damit fest zu füllen? Wir würden damit nur ca. 1 Arbeitstag verlieren – ein vergleichsweise sexy anmutender Schaden für zeitgebeutelte Hausherren und -damen! Aber die Entscheidung musste am Ende der Hersteller der Steine treffen, denn dieser muss den Dämmwert garantieren können. In Absprache mit dem Hersteller entschieden wir uns letztlich für die sichere Variante: eine eigens vor Ort mittels Rührgeräten zu mischende Masse aus Hanf, Kalk und Wasser, die mittels Einfüllstutzen (heißt das bei Wänden eigentlich auch so?) von oben in die Löcher gegossen werden muss.  Wir sind gespannt.

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