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Neubau
Das Fenster zum Hof (und alle andern)

Das Fensterthema ist ein leidiges, mit dem sich jede Baudame oder Bauherr früher oder später konfrontiert sieht. Plastik oder Holz? Ökologisch oder günstig? Auch die Szene des ökologischen Bauens ist sich nicht einig. Hier geben wir Einblicke, wie wir uns entschieden haben und warum. Sorry, wenn es etwas text-heavy wird, aber wir haben ja eigentlich noch gar keine Fenster, sondern nur Gedanken zu Fenstern.

Klar, wenn die Mauern mal stehen (und da machen wir gute Fortschritte), dann müssen auch Fenster in die Löcher. Denn sonst würde Väterchen Frost das Gebäude mit seinem kalten Atem wohl schnell in eine Bauruine verwandeln. Oder auch einfach ein paar Waschbären (oder echte Bären) das Haus für ihren Winterschlaf auswählen. So oder so, es müssen Fenster her. Und wie in der Einführung schon geschrieben, sahen wir uns nun mit der Gretchenfrage des Bauwesens konfrontiert: Plastik oder Holz?

Generell gelten ja allgemeingültige Wahrheiten: Holz ist ein natürlicher und ökologischer Baustoff und Plastik ist es nicht. Holz speichert CO2 langfristig und ist klimatechnisch damit auch eine gute Wahl, während Plastik im Gegenzug fossile Brennstoffe zur Produktion benötigt. Und wie so häufig ist die ökologischere Variante auch die teurere: Holzfenster kosten ein gut Stück mehr als die Kunststoffvarianten. So weit, so einfach.

Und jetzt der Kracher: Wir haben uns trotzdem für Kunststoff-Fenster entschieden. Bevor uns jetzt die Follower massenweise abspringen, hört uns erstmal an.

"Kann uns irgendjemand sehen, wie wir hier am Fenster stehen?"

- frei nach Annalena, "Die Schule der magischen Tiere 2"; ja, wirklich

Beginnen wir mal mit dem Convenience-Faktor: Holzfenster brauchen Pflege. Man muss sie regelmäßig warten, neu lackieren, reparieren. Mindestens in einem Abstand von 10 Jahren, und wenn man die regelmäßige Wartung versäumt und die Feuchtigkeit im Holz hat, dann sogar häufiger. Dann gehen die Dichtungen kaputt und sobald die Temperaturen den Gefrierpunkt erreichen, hat man die Nässe im Innenraum und somit auch schnell den Schimmel. Wir sind da gebrannte Kinder, haben wir doch in unserer aktuellen Wohnung genau dieses Problem, trotz intensivster Gegenmaßnahmen – wir kamen wohl einfach zu spät damit. Und jetzt ratet mal, wogegen zwei unserer drei Kinder allergisch sind. Richtig, Schimmel!

Die Lebensdauer von Holzfenstern ist vergleichbar mit der von Kunststofffenstern, ca. 50 Jahre. Bei den Holzfenstern erfordert das wie gesagt regelmäßige Pflege, beim Kunststoff ist das eher der Default. Die Holzfenster mit ihren mehrfachen Lackierungen lassen sich dann gar nicht mal so einfach zurück in den natürlichen Lebenskreislauf entsorgen, wie man denken sollte. Während bei Kunststoff-Fenstern viele Teile recyclet und fürs nächste Produkt verwendet werden (die grauen Teile auf dem nebenstehenden Foto), was die durchschnittliche Lebensdauer dieser Komponenten auf mehrere hundert Jahre erhöht.

Glaubt nun bitte nicht, dass wir Kunststoff-Fenster als die ökologischere Variante zu den Holzfenstern lobpreisen wollen. Das sind sie sicher nicht. Aber das Thema ist nicht so schwarz-weiß, wie man manchmal glaubt. Und tatsächlich ist sich auch die Szene des ökologischen Bauens hier oft uneins, welche Variante in welcher Form am nachhaltigsten ist.

Hands down, neben all diesen Betrachtungen hat bei uns am Ende der Preis den entscheidenden Impuls gegeben. Das Angebot für die Kunststoff-Fenster war ein gaaanzes Stück günstiger. Und auch wenn wir uns ökologisches Bauen auf die Fahnen geschrieben haben, müssen wir doch auch sehen, dass unser Budget begrenzt ist und wir immer wieder zum Sparen gezwungen sind. Dabei gilt es, klug abzuwägen. An welchen Stellen kann man die weniger ökologische Variante wählen, ohne vor sich selbst alle Glaubwürdigkeit zu verlieren? Wir glauben, in den Fenstern haben wir so eine Anlaufstelle gefunden.

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