Nietzsche sagte mal, wenn Du zu lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in Dich hinein. So ging es mir, als ich auf dem Filigrandach stand und in die Öffnung für den Ortbeton hinabschaute. Mir wurde leicht schwindlig und ich dachte an ein anderes Konzept der Philosophie: den „Call of the Void“. Es bezeichnet das Gefühl, das man hat, wenn man an einem Abgrund steht, und plötzlich den seltsamen inneren Drang verspürt, sich hinabstürzen zu wollen. Anyway, willkommen zu unserem Panik-Post.
Wenn Du zu lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in Dich hinein.
- Friedrich Nietzsche
Der Tag begann eigentlich wie viele andere auch. Aus der Tür raus, ab in die Tram Richtung Baustelle und hoffen, dass dort alles seinen geregelten Gang geht. Manchmal wird man positiv überrascht, manchmal negativ und manchmal – so wie heute – steht man auch einfach mal da und denkt sich laut „WTF“.
Auf den ersten Blick war ja alles gut: Die Fassade des Nachbarn wurde endlich geschlossen (ok, danach wurde sie mit der falschen Farbe gestrichen, aber wo gehobelt wird…). Die neuen Hochlochziegel fürs Obergeschoss sind auch angekommen (ok, sie wurden vor dem Schlüsselsafe abgeladen, so dass man jetzt von außen nicht mehr an die Schlüssel kommt, was den Sinn des Safes irgendwie ad absurdum führt. Aber wo gehobelt wird…).
Was passiert war, ist leicht erklärt. Die Löcher für den Ortbeton wurden plangemäß mit Beton gefüllt. Damit die Wände das aushalten, muss man sie mit Holzplatten verstärken, was auch Verschalung genannt wird. Wie die Bilder oben zeigen, ist die Verschalung nicht optimal durchgeführt worden und so geschah genau das, was man erwarten würde: Der Beton drückte die Steine nach außen, wobei sie brachen. Haus kaputt, so schnell kanns gehen.
Die ersten Momente der Erkenntnis des royalen Fuck-ups waren gelinde gesagt suboptimal. Abgesehen von der Sorge um die Risse wurden alle anderen alltäglichen Sorgen multipliziert: Winter’s coming, das Haus steht offen, und wir verlieren vermutlich weitere Wochen durch einen vermeidbaren Fehler. Es dauerte ein paar Tage, einige Meditationssitzungen und vier bis zwölf Bier am Wochenende, um über den Tiefpunkt hinwegzukommen. Die wiederholten Versicherungen Baukundiger, dass sie schon viel Schlimmeres gesehen haben und solange über den Fehler nicht mal in der Zeitung berichtet wird, man noch einigermaßen beruhigt sein kann, taten am Ende genau das: Beruhigen.
Um dann mit viel Schwung in die neue Woche zu gehen und die Situation zu ent-fucken. Ärmel hoch!










