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NEUBAU
Warum eigentlich Hanf?

Das ist die Frage, die uns am häufigsten gestellt wird, sobald wir von unserem grünen Projekt erzählen. Warum sollte man mit Hanf bauen, was kostet das eigentlich, und ist das überhaupt sicher? Die gesamte Thematik ist der breiten Masse (haha) noch unerschlossen, darum wollen wir hier zumindest ein paar Denkanstöße zu ökologischem Bauen geben und warum wir uns dafür entschieden haben.

Der Abfallgruppe der „Bau- und Abbruchabfälle“ kommt eine Schlüsselrolle für eine geschlossene Kreislaufwirtschaft zu. Sie machte im Jahr 2021 mit rund 222 Mio. t den Großteil (53,9 %) des Brutto-Abfallaufkommens aus

Eingangs dieses Artikels dürfen wir endlich auflösen, warum unser Artikel über die Architekten „Partners in Crime“ betitelt war. Denn bei unserem Hauskauf damals war es immer unser Wunsch und Traum gewesen, in ebendieses Haus einzuziehen. Uns war sicher klar, dass da eine Menge Arbeit und Geld reinfließen müsse, bevor wir wirklich mit unseren Koffern antanzen konnten. Aber letztlich hatte es sich dann doch herausgestellt, dass die Baumasse des Hauses so erbärmlich und so giftig war, dass die Sanierung nicht nur massiv aufwending und teuer gewesen wäre, sondern uns im schlimmsten Fall über viele Jahre oder Jahrzehnte hinweg immer neue Probleme bereitet hätte.

Der Gedanke an einen Abriss und Neubau war trotz der erwarteten Mehrkosten verführerisch. Doch im Prinzip würden wir dann genau das tun, was wir eigentlich vermeiden wollten: In unserer Wegwerf-Gesellschaft würden das gefühlte Verbrechen begehen, auf den größten Müllberg Deutschlands nochmal ordentlich Bauschutt zu kippen. Mit rund 222 Millionen Tonnen macht diese Müllgruppe den Löwenanteil des jährlichen Abfallaufkommens aus. Und trotz unseres ansonsten ökologisch bewusstem Lifestyles mussten wir uns jetzt auf die Dark Side begeben. Unserem Architekten André blutete das Herz auch ein wenig, eigentlich versucht er immer, aus dem Bestand das Beste zu machen – aus den Ruinen den Palast zu erstellen. Doch diese Ruinen waren vergiftet.

Bauschutt erzeugen ist also nachweislich Mist und generell zu vermeiden. Aber wenn man aufgrund der Sachlage nicht drum herum kommt, dann hat man wenigstens die Möglichkeit, etwas Besseres zu schaffen. Man hat freie Hand, nachhaltig und ökologisch sinnvoll zu bauen. Glücklicherweise konnten wir in Michael einen Architekten gewinnen, der bereits ausgiebige Erfahrungen mit dem Hanfbau in Süddeutschland mitbrachte. Als er uns erstmal mit dem Vorschlag konfrontierte, waren nicht spontan begeistert. Die Rohbaukosten würden sich voraussichtlich um 10% erhöhen, was bei einem Neubau keine geringe Summe ist. So viel zur Soll-Seite… aber was würden wir denn auf der Haben-Seite verbuchen?

Wie es sich herausstellte, gar nicht so wenig. Ein Haus aus Hanf ist weitaus nachhaltiger als ein Betonbau und hat eine viel geringere CO2-Bilanz. Die Ziegel werden nicht in hochenergetischen Verfahren gebrannt, wie es mit anderen Ziegelsteinen der Fall ist. Außerdem bestehen sie aus einem nachwachsenden Rohstoff, der zum Einen CO2 speichert und zum Andern im Falle eines Abrisses wieder leicht zu entsorgen ist (wobei es immer etwas seltsam ist, sich noch vor dem Neubau bereits gedanklich mit einem Abriss des Hauses zu beschäftigen – es ist vergleichbar mit einem Ehevertrag, den man zu einem Zeitpunkt abschließt, wenn man maximal verliebt ist; aber gerade das ist ja die Bedeutung des Wortes Nachhaltigkeit).

Die Klimakrise ist allgegenwärtig und auch heute schon leiden viele Menschen weltweit darunter. Dies betrifft nicht nur Menschen in Bangladesch oder Eisbären am Nordpol. Auch in Deutschland werden durch Überschwemmungen und Wassermangel die Folgen der Krise immer deutlicher. Hanf als Baustoff ist nachwachsend und nicht annähernd so CO2-intensiv in seiner Produktion wie andere Baustoffe. Sicher, Bauen wird immer eine Umweltbelastung sein; aber wenn wir schon Bauen, dann doch bitte so klimafreundlich wie möglich.

Nicht zuletzt erzeugt man übrigens mit diesem diffusionsoffenen Baustoff ein exzellentes Raumklima, was gerade bei uns mit unseren Allergie-, Asthma-
und Neurodermitis-Problemen die beste Wahl ever sein muss. Unterm Strich haben wir also 10% Mehrkosten am Rohbau, und bekommen dafür einen
massiv umweltfreundlichen, nachhaltigen Baustoff, der uns ein hervorragendes Raumklima verschafft. „Deal!“, dachten wir uns.

In Deutschland gibt es schon einige Hanfhäuser, auch das angrenzende EU-Ausland weist bereits eine ganze Menge davon auf. Die Häuser sind im Kommen, so wie ökologisches Baumen im Allgemeinen auch (sei es Hanf, Lehm oder andere nachhaltige Ansätze). In Berlin gibt es wohl ein paar kleinere Hanfprojekte, aber ein eigenständig mit Hanf gebautes Einfamilienhaus – das gibt es in Berlin noch nicht. Nächstes Jahr um diese Zeit wird das aber hoffentlich ganz anders aussehen!