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Neubau
Take back the house

Unser Haus hat lange Zeit nicht uns gehört, oder es hat sich zumindest nicht so angefühlt. Die ständig wechselnden Subunternehmer des Generalunternehmers haben alles runtergewirtschaftet: Ihren Müll überall gelassen, Arbeiten unfertig oder falsch ausgeführt, Material und Werkzeug im ganzen Haus und drumherum verstreut, als gäbe es kein Morgen. Damit ist jetzt Schluss. Wir erobern das Haus zurück!

Warum sollte es auch anders sein? Wenn man als Subunternehmer zu einem Haus keinen Bezug hat, selbst schlecht ausgebildet und mit billigstem Werkzeug ausgestattet ist, nicht die Möglichkeit der Verständigung mit den Bauherren besitzt, im besten Falle sehr schlecht bezahlt wird und im schlimmsten Falle gar nicht… warum sollte man sich gut benehmen? Seinen Müll aufheben oder die Kippen nicht überall hinschmeißen? Die Bier- und Wodkaflaschen entsorgen, anstatt sie an strategischen Plätzen auf der Baustelle zu verteilen? Den Baumüll trennen oder zumindest aus dem Weg räumen? So ein richtiger Anreiz dafür ist nicht da, das verstehe ich schon.
 
Nachdem wir dem Generalunternehmer vor 2 Wochen gekündigt haben, liegen all diese Überreste nun leise faulend in der Gegend herum. Wenn wir arbeiten, dann immer mit dem Hintergedanken, dass die doch irgendwann mal kommen müssen, um zumindest ihre Jacken oder Werkzeuge zu holen. Oder dass zumindest mal das angedrohte Abrisskommando um die Ecke stolpert und alles dem Boden gleichmacht. Nichts davon geschieht, aber alles davon trägt dazu bei, dass die Atmosphäre unseres Hauses leicht toxisch anmutet.

Doch wir haben die Baustelle jetzt übernommen! Nicht zuletzt dadurch, dass wir seit Wochen vor Ort sind und selbst arbeiten. Aber es war ein eher schleichender Prozess… zuerst haben wir nur den Müll weggeräumt, der uns beim Arbeiten im Weg war. Dann haben wir erste Arbeiten ausgeführt, die eigentlich die Subs hätten machen sollen, aber es einfach nicht getan haben. Und dann Mängel repariert, die dem weiteren Ablauf im Wege waren. Natürlich kam auch der Sachverständige für das Bautenstandsgutachten und hat kopfschüttelnd Bilanz gezogen. Und jetzt geht es auf einmal richtig los. Das HLS-Team installiert die Sanitäreinrichtungen in den Bädern. Das Lehm-Team beginnt mit dem Außenputz. Die Fenster sind drin und haben sogar Fensterbänke. Ich habe eine Bautür eingebaut, so dass wir endlich sagen können: Das Haus ist geschlossen!

Und es geht an allen Fronten voran: Der erste Entwurf des Stampflehms ist abgeschlossen, alle Lücken gefüllt. Jetzt kommen die Ausbesserungsarbeiten, die sicher auch noch mal ein paar Tage kosten werden. Und während aus der Boombox endlich unsere eigene Musik erschallt und wir nur noch Menschen auf der Baustelle haben, die wir auch gerne da haben und die ihre Arbeit auch gern zu machen scheinen – ja, die sogar ihren Mist wieder aufräumen, wenn sie fertig sind – beginnt dieses Haus langsam zu unserem Haus zu werden. Der letzte GU-Dreck muss noch aus den Ecken gepustet werden, die letzten Kopfschüttler losgeworden wären. Und ab jetzt geht der Blick voraus: Das ist unser Haus!

Das ist unser Haus!