Es läuft keineswegs alles schief bei uns, auch wenn dieser Tage manchmal der Eindruck entsteht. Im Gegenteil… seit einigen Wochen sind wir so fleißig am Stampfen, dass die Nachbarn sich verwundert die Ohren reiben (sagt man das so?). Was es damit auf sich hat – Ihr lest es hier.
Aufmerksamen Blog-LeserInnen wird schon aufgefallen sein, dass die Wände in unserem Dachgeschoss noch irgendwie transparent wirken, siehe Bild oben. Und ja, zwischen den Holzbalken fehlt wirklich etwas: Stampflehm! Wände aus Stampflehm sorgen für ein 1a-Raumklima, sind höchst ökologisch (bestehen eigentlich nur aus Lehm, Hanfschäben und Wasser) und das Beste: Man kann es alles selbst machen!
Damit wir bei dieser im Prinzip einfachen Arbeit nicht trotzdem das Haus irgendwie in Brand stecken oder uns versehentlich die Arme absägen, hat uns Caspar Schmid vom Naturbauhof Potsdam einen tollen Workshop gegeben, bei dem er uns in die Materie und die Materie dann in die Wände eingeführt hat. Auch ein paar Materialbegeisterte kamen von nah (aus Weißensee) und fern (aus Münster und Leipzig), um dem Workshop beizuwohnen und unser Bauprojekt ein Stückchen voranzubringen.
Das Grundprinzip ist keine rocket science: Man mischt die trockene Hanflehm-Mischung im Zwangsmischer mit Wasser und transportiert sie mit Tuppen zum Einsatzort (da wir im Dachgeschoss arbeiten, half uns dabei zum Glück ein Dachdeckerlift, den wir eigens gemietet haben). Die Wände werden mit Holzresten von der Baustelle verschalt und dann mit dem Stampflehm gefüllt. Und dann wird die ganze Aggression, die sich gegen Generalunternehmer und Co aufgestaut hat, einfach in den Lehm gestampft. Mit Holzstößeln oder mit den bloßen Fäusten, jeder wähle hierfür die Waffen, die ihm sein Gewissen erlaubt. Und dann wird gedrückt, geschlagen, gestampft, bis die Holzverschalung voll ist.
Mischen, verschalen, stampfen.
Mischen, verschalen, stampfen.
Mischen, verschalen, stampfen.
Der Rest ist reine Wiederholung. Mischen, verschalen, stampfen. Mischen, verschalen, stampfen. Ein Rhythmus, der einen bis in die Nacht verfolgt. Und – wie so viele andere Dinge auch – am Besten in der Gruppe zu erledigen ist. Darum haben wir uns flugs übers Wochenende die besten aller Freunde eingeladen, mit denen wir von früh bis spät zu obigem Rhythmus getanzt haben. Und das Beste: selbst die Kleinsten konnten mitmachen. Die Jüngste war gerade mal 3 Jahre alt. Mit kühlen Getränken und ein paar Burgern gingen die 10-Stunden-Arbeitstage im Handumdrehen rum. Und genau wie Handumdrehen geht das Stampfen nach ein paar Tagen übrigens auch ziemlich auf die Handgelenke, doch dies nur am Rande.
Auch wenn wir an diesem Wochenende einen Riesenschritt gemacht haben, sind immer noch viele Wände zu stampfen und die Zeit drängt. Denn die gemieteten Maschinen sind teuer und somit ist Zeit literally Geld. Darum liegen unsere eigentlichen Berufe (was war das noch gleich? Es verschwimmt immer mehr) derzeit zum Teil brach. Wenn wir auf Parties (für die wir keine Zeit mehr haben) gefragt werden, was eigentlich unser Beruf sei, wissen wir nicht mehr genau, was wir antworten sollen. Bauarbeiter? Software-Entwickler? Blog-Heinis? Wer weiß das heute schon so genau? Also Schluss mit diesen Labels und Schubladendenken. Einfach immer weitermachen: Mischen, verschalen, stampfen. Mischen, verschalen, stampfen. Mischen…

