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Neubau
Tausche Baum gegen Raum

Wer an einer Straßenfront ein Haus errichten möchte, wo vorher jahrhundertelang kein Haus stand, der findet sich im Platzstreit mit der lokalen Flora und Fauna. Auch bei uns hat ein hübscher Straßenbaum längst sein Revier markiert, wo bald unser Neubau stehen möchte. Und wie so oft sitzt die Natur am kürzeren Hebel, was den Städtebau angeht.

"Dude, where is my stuff?!"

- Taube, probably

In erster Linie ist das natürlich traurig, denn grünes Leben an einer Stelle abzuschneiden, an der ein schnödes Haus entstehen soll, ist erstmal kein Grund zum Jubeln. In unserem Fall ist es ein notwendiges Übel, das wir uns damit schönreden, dass unser Haus ja ebenfalls quasi grün wird und als primären Baustoff die natürliche Ressource Hanf nutzt. Und man darf auch nicht vergessen, dass wir dafür auf der straßenabgewandten Seite einen wunderbaren Wildgarten aufziehen werden, der ein paar abgesägte Straßenbaum-Äste problemlos aufwiegen wird. Nicht in Gold, aber in Laub. Genug gerechtfertigt, es wird gesägt!

Die Frage war in unserem Fall vor allem, wie man den wildwachsenden Baum freundlich darum bitten könnte, für uns ein wenig Platz zu machen. Wir erschlichen uns erstmal sein Vertrauen, indem wir ihn in einen wohligen Baumschutz einkleideten (ein eigentlich ansonsten eher unromantisches Konstrukt aus OSB-Platten und Fichtenlatten). Wir entschieden uns dann gegen den lauten und groben Hubsteiger, mit dem der Baumpfleger anrücken wollte, um die Äste zu kürzen. Stattdessen baten wir unseren geliebten Baumflüsterer Herr Friedrich, auf Zehenspitzen an der Baumrinde heraufzuschleichen und leise die überstehenden Äste mit seiner Säge zu überreden, dass sie dem Hanfhaus ein wenig Platz zugestehen könnten. 

Das war nicht nur viel naturfreundlicher, sondern kostete tatsächlich auch nur ein Viertel der Hubsteiger-Variante. Win-win, also. Wenn’s nur immer so einfach wäre.