Die letzte Zeit war hart. Wir krebsen seit gefühlten Monaten an der magischen Grenze von Abriss und Neubau herum und warten endlich auf den großen Switch. Endlich nicht mehr zerstören, zerkloppen und hinterher auf den dampfenden Ruinen stehen. Wir möchten doch endlich etwas erschaffen! Doch diese eigentlich dünne Linie zwischen Zerstörung und Schöpfung wird langsam immer breiter.
Es wäre schön, wenn man jetzt einen bestimmten Grund für die Verzögerung angeben könnte. Aber tatsächlich ist es eine Verkettung verschiedener Umstände, die nicht alle etwas miteinander zu tun haben.
Angefangen hat alles damit, dass die Mutter des Baggerfahrers gestorben ist. Das ist ohne Zweifel ein schlimmer familiärer Trauerfall und für uns bedeutete es zumindest schon mal eine Woche Verzögerung, denn das Abrissunternehmen hatte nur den einen Fahrer zur Verfügung. Als nächstes erfuhren wir, dass das Rohbauunternehmen Probleme mit der Stahlbeschaffung hatte, was alleine schon eine Verzögerung von bis zu 3 Wochen bedeuten könnte – sofern man asap bestellt. Asap ist allerdings nicht möglich, wenn dafür Geld fließen muss, das noch im Inneren der KfW-Finanzierung versiegelt ist, die sich gut und gerne eine Woche Zeit mit der Ausschüttung lässt. Im Normalfall ist das sicher kein Problem, aber wenn es den Baustart-Termin bestimmt, ist es das schon.
Dann wiederum stellte sich heraus, dass das Abrissunternehmen die Planum-Erstellung missverstanden hatte. Planum heißt natürlich, dass das Baufeld plan gezogen sein muss. Es sollte aber auf einem bestimmten Niveau plan gezogen werden und aktuell ist dieses Niveau ganz einfach im Schnitt einen halben Meter zu hoch. Gemessen auf 450qm werden das gut und gerne 200 Kubikmeter Boden mehr, die abgetragen, analysiert und dann abtransportiert werden muss.
Diese Vermessung hat also zwei Wochen nach unserem eigentlich fest anvisierten Startdatum stattgefunden. Und wird mindestens noch 3 Wochen Bearbeitungszeit benötigen. Der Abriss ist nicht abgeschlossen. Die Mikropfeiler müssen gegossen werden (wir haben noch kein Unternehmen dafür). Der Rohbauer hat so nen Hals, weil seine Leute nicht anfangen können. Und es darf nicht vergessen werden, dass wir mit dem natürlichen Baustoff Hanf arbeiten, der im Winter keinesfalls offenstehen darf. Die Feuchtigkeit würde einziehen und nur sehr schwer daraus zu entfernen sein. Dementsprechend muss das Gebäude im Spätherbst geschlossen sein.
Und so arbeiten wir weiter daran, die eigentliche dünne Linie zwischen Abriss und Neuschöpfung in die Breite zu ziehen.
Man darf auch nicht vergessen zu erwähnen, dass auch unser Nachbar noch dieses Jahr seinen Neubau plant. Es handelt sich hierbei, genau wie bei uns, um eine Grenzbebauung, die beiden Gebäude werden also am Ende direkt nebeneinander stehen. Da der Nachbar einen Keller bauen möchte und wir nicht, muss die Gründung des Fundamentes höchste Aufmerksamkeit bekommen. Wenn unser Rohbau steht und der Nachbar dann direkt daneben einen Keller aushebt, kann unsere Seite in brutale Schieflage geraten, sofern man das Problem nicht im Voraus überlegt angegangen ist. Darum müssen wir Mikropfeiler aus Beton unter unser Fundament gießen, damit es sich nicht absenken kann. Wenn alles gut und schnell geht, wird dieser Aspekt des Neubaus allerdings nicht unseren Baustart verzögern, sondern nur verkomplizieren. Alle sind eben ein klein bisschen mehr “on edge”. Glücklicherweise kommen wir mit unserem Nachbarn gut klar und arbeiten sehr konstruktiv zusammen an diesen Herausforderungen.
Ganz anders ist es mit dem abschließenden Punkt, unserem aktuellen Bottleneck: Irgendwie ist es in der gesamten Vorbereitung und Planung untergegangen, dass die Grenzen der vom Bau betroffenen Grundstücke nicht im Katasteramt verzeichnet sind. Wir hatten zwar schon ellenviele Vermesser vor Ort, die dann für vierstellige Beträge plumpe Rechtecke in ein PDF gezeichnet haben (wirklich, nach Maßarbeit sah da für mich als Laien nichts aus), aber wie es scheint, wurde eine ganz spezielle Messung nicht vorgenommen. Und ohne diese Messung kann der Bau nicht beginnen, denn die ist für die Fundamentlegung essentiell. Wir haben sofort den Vermesser beauftragt, der die Messungen wenige Tage später vornahm. Bis er das Ganze in sein System geladen und ans Katasteramt geschickt hat, vergehen im Schnitt 4 Wochen. Er versucht es in 3 Wochen zu schaffen. Halleluja.

