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Neubau
Hell or High Water

Die Redewendung „Hell or High Water“ bedeutet soviel wie „Komme, was wolle.“ Eines der Dinge, die ganz sicher kommen werden, ist der Klimawandel. Eine der Folgen des Klimawandels ist zur Zeit in weiten Teilen Europas zu beobachten: Hölle und Hochwasser. Was das mit den Bauvorhaben von heute zu tun hat, wollen wir in diesem Beitrag ansprechen.

"That cannot work, it's like trying to invent the parachute while already falling towards the ground."
"Yes, but it beats hitting the ground without one for sure."
-Kim Stanley Robinson, "The Ministry for the Future"

Dauerregen und Hochwasser überschwemmen gerade große Teile Europas. Tote, Verletzte und Schäden in Millionenhöhe sind die Folgen. Derartige Katastrophen häufen sich in den letzten Jahren und Klimaforscher prophezeien, dass die Probleme eher zunehmen werden als abnehmen. Der Grund ist der Klimawandel und ein großer Treiber des Klimwandels ist der Bausektor, der massive CO2-Emissionen bewirkt. Dies ist einer der Gründe, warum wir anstelle von gebrannten Betonsteinen lieber Hanfbausteine mit geringerer CO2-Bilanz für unser Heim verwenden möchten.

Dieser Umstand alleine wäre aber wohl noch keinen informativen Beitrag in unserem Blog wert. Viel interessanter finden wir die Präventions-Aspekte, die auch heute schon Anwendung im Berliner Baubereich finden und mit denen wir uns täglich konfrontiert sehen. Da wäre zum einen der Aspekt der Regenwasserversickerung. Einer der Gründe für unkontrollierte Hochwasserkatastrophen in Stadtgebieten ist die Versiegelung von zu viel Fläche. Städte sind per Definition zum großen Teil mit Beton gepflastert, was dazu führt, dass Regen nicht gut im Boden versickern kann.

Wer in Berlin bauen möchte, muss sich darum an bestimmte Regeln halten. Es muss immer gewährleistet sein, dass Regenwasser auf dem eigenen Grundstück versickern kann. Eine Einleitung ins öffentliche Abwasser-System ist nicht gestattet, um dieses in Starkregenfällen nicht zu überlasten. Diese Regelung leuchtet absolut ein, sie ist aber gar nicht so trivial in der Umsetzung. Zum einen ist es nötig, eine Regenwasser-Rigole auf dem Grundstück zu installieren. Dies ist eine Art unterirdischer Puffer, der Regenwasser aufnehmen und über einen längeren Zeitraum kontrolliert versickern lässt. Dahinter geschaltet ist eine Zisterne, die es den Hausnutzern erlaubt, das Regenwasser effektiv zu nutzen (Gartenbewässerung, Toilettenspülung, etc). Denn die komplexe Natur des Klimawandels bewirkt ja leider nicht nur eine erhöhte Gefahr von Hochwasser-Katastrophen auf der einen Seite, sondern auch generelle Frisch-Wassermängel auf der anderen. Das System aus Rigole und Zisterne versucht, beiden Problematiken entgegenzuwirken.

Das Ganze kann aber nur funktionieren, wenn der vorgegebene BFF eingehalten wird. Leider geht es dabei nicht um Best Friend Forever, sondern um den Biotopflächenfaktor. Dies ist ein Faktor, der angibt, welcher Teil des Grundstückes bebaut/versiegelt ist, und welcher aus Vegetationsflächen besteht und eine Versickerung möglich macht. Oder einfacher: Wieviel Haus und wieviel Garten? Wird der BFF nicht eingehalten, darf nicht gebaut werden. Und diese Hürde ist gar nicht mal so leicht zu nehmen. Trotz aller Anstrengungen haben wir den BFF nur einhalten können, indem wir das Hausdach begrünen und die Fassade ebenfalls. Letztere bringt zwar für die Regenwasserversickerung nicht viel, wirkt sich aber generell positiv auf die Vegetation und das Biotopgebiet aus.

Klimafreundlich bauen und wohnen ist schwierig bis unmöglich. Dass ökologische Aspekte über Jahrhunderte keine Rolle im Bauwesen gespielt haben, beißt uns heute in den Allerwertesten. Wir sind froh, dass heutige Restriktionen die Baudamen und Bauherren zwingt, sich mit den Problemen der Zeit auseinanderzusetzen. Dass das Ganze nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, ist vielleicht genau die passende Metapher für den Klimawandel und hilft unseren europäischen Nachbarn derzeit wenig. Too little, too late. Aber auch kleine Fortschritte sind Fortschritte. Oder um mit einem Zitat aus einem Buch zu enden, das ich gerade lese:

– „That cannot work, it’s like trying to invent the parachute while already falling towards the ground.“

– „Yes, but it beats hitting the ground without one for sure.“

Übrigens, am Freitag ist Klimastreik. Füllt die Straßen!