Die Hölle auf Erden… das ist in unserem Fall die Erde aus der Hölle. Wer hätte vor eineinhalb Monaten gedacht, dass dieser schnöde Erdhaufen so massive Probleme mit sich bringen würde? Leider stellte es sich aber schon letzten Monat heraus, dass wir hier knapp 200 Kubikmeter Sand im Getriebe hatten.
"Die Hölle, das sind die anderen."
- Jean-Paul Sartre, der es offensichtlich nie mit Polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen zu tun hatte.
Zu Beginn stellte es sich noch ganz einfach dar: Der Abriss war weitestgehend abgeschlossen, die Ziegelsteine entsorgt und es ging nur noch darum, die restlichen Fundamentreste aus dem Boden zu entfernen. Irgendein verwunschener Protagonist muss in diesem Moment seinen Höhenmesser gezückt und laut ausgerufen haben: „Wir sind zu hoch!“ Und es stimmte: Das Grundstück lag im Schnitt 40cm höher als es unsere Gründung verlangte. Aber das konnte nicht wirklich ein Problem darstellen, oder? Flugs pflugte der Bagger über das Planum und stellte die richtige Höhe her. Und schon war er da, und er war gekommen, um zu bleiben: Der Erdhaufen.
Gespickt war er mit den sonderbarsten Dingen. Fundamentreste, Holz, Knochen, Müll aus dem letzten Jahrtausend, und, und, und. Achja, UND polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, kurz PAK. Eine Stoffgruppe mit so rhythmischem Namen hörte sich für uns erstmal nicht dramatisch an – zumindest, bis wir näher hinsahen. PAKs sind nämlich höchst toxisch und verursachen Hautkrankheiten, Schleimhautveränderungen, verschiedene Krebsarten und beeinträchtigen die Fortpflanzungsfähigkeit. Das Problem war also etwas größer als erwartet. Hey, Erdhaufen… What the PAK!?
Der Ablauf war klar: Man musste in einem behördlichen Verfahren eine Müllerzeugernummer erstellen lassen, dann noch eine weitere Nummer für die jeweiligen Entsorgungen, und dann noch eine Nummer, einfach, weil’s so schön war. Die Abläufe der Transportfirmen, die dann die korrekten Halden für den Müll finden und die zugehörigen Übernahmescheine für jede Lieferung beantragen und ausfüllen mussten, nebst obiger Behördennummern, kosteten uns dann die nächsten Wochen. Neben dem Umstand, dass das alles so ärgerlich war, war es wenigstens auch ausgesprochen teuer, völlig unnötig kompliziert, überraschend langwierig und achja, die verdammte Erde war auch dem gesamten anderen Bauablauf im Weg: Kein Platz für Hanfsteine, kein Platz für den Kran, kein Platz für wütendes Auf-der-Stelle-Springen. Selbst das mussten wir auf dem Bürgersteig vom Nachbarn machen – der hatte aber Verständnis.
Die Überschrift war also wirklich keine Übertreibung. Wir hatten wahrlich die Hölle auf Erden in dieser Höllenerde gefunden – zumal PAK oft Reststoffe verbrannter fossiler Energieträger sind, die uns scheinbar für unsere Anmaßung eines vergleichsweise CO2-freundlichen Bauwerkes in die Suppe spucken wollten. Doch keine Sorge, die Geschichte hat ein End. Kein Happy End, dafür war es einfach zu teuer, langwierig und stressig. Aber ein End: Seit vorgestern ist die Erde endlich Vergangenheit und wird in aufwändigen Waschgängen wieder hoffähig gemacht, im wahrsten Sinne des Wortes. Und wir haben nun ein immer mehr nach ordentlicher Baustelle aussehendes Grundstück. Aber davon vielleicht beim nächsten mal mehr.

