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Neubau
Drum prüfe, wer sich in einem Bauvertrag bindet

Wir haben in den letzten Wochen eher optimistische und positive Beiträge mit Euch geteilt. Nun ist es mal wieder an der Zeit, die Doomsayer und Berufs-Pessimisten unter Euch zu befriedigen. Und zwar mit einem Beitrag, der elementar wichtig ist und den bisherigen Katastrophen-Höhepunkten (zum Beispiel hier) in Nichts nachsteht. Es geht um die Wahl eines Generalunternehmers für Euren Neubau.

Ich weiß, ich weiß. Wer ein Haus bauen will, hat nicht viel Zeit. Vor allem nicht dafür, sich durch ellenlanges, ausschweifendes Gelaber von anderen Hausbau-Bloggern zu kämpfen, um aus ihren Beiträgen die wenigen brauchbaren Infos für Euch herauszufiltern. Wenn Ihr also auch nur für maximal 2 Beiträge von diesem ganzen Blog hier Zeit habt, dann lest bitte erstens unsere Infos über das Bauen mit Hanf und zweitens diesen Beitrag hier. Denn es tut weh, sich bei der Wahl eines Generalunternehmers so ultimativ in die Nesseln zu setzen, wie wir es getan haben. Und für alle Gen-Z-Null-Konzentrationsvermögen-LeserInnnen, die es noch nicht mal bis ans Ende dieses Absatzes geschafft haben: willkommen in den Nesseln, setzt Euch gern zu uns. Mit dicken Macheten kommen wir da am Ende doch irgendwie wieder raus.

Wir hatten eigentlich eine gute Vorauswahl von möglichen Unternehmen getroffen, die wir für den Rohbau engagieren wollten. Am Ende lagen uns 4 oder 5 Angebote vor, die wir intensiv miteinander verglichen, extensive Gespräche mit den Unternehmen führten und dann noch knallharte Schlussverhandlungen folgen ließen. Was wir damals noch nicht wussten: Die Landschaft der Berliner Bauunternehmen ist ein Sodom und Gomorrha aus Halsabschneidern und Schlangenzungen, stets auf den eigenen Vorteil bedacht und im Hinterkopf schon die nächste Schurkerei am Köcheln. Inoffizielle und anekdotische Aussagen von Branchenkennern belegen über 50% Spreu bei weitaus weniger Weizen. Unwissend über diesen Sachverhalt hatten wir uns im Frühsommer 24 mit einem Generalunternehmer geeinigt, der ein preiswertes Angebot mit kompetent wirkendem Personal, viel Wohlwollen und freundlichem Entgegenkommen bei Konfliktpunkten paarte. Was konnte schon schiefgehen? Die Arbeiten sollten im August beginnen und spätestens im November abgeschlossen sein. Einzig, sie sind es bis heute noch nicht.

Vor Vertragsabschluss gerne die Firma im Handelsregister überprüfen. Das geht online ganz schnell. Und wenn da in 3 Jahren 7 Geschäftsführer tätig waren, sollte man hellhörig werden.

Was wir in dieser Zeit erlebt haben, ist ein sich ständig intensivierender Strudel der Eskalation auf allen Ebenen: Die vom Generalunternehmer angeheurten Subunternehmer sind extrem billig – im Sinne der Profitmaximierung -, dementsprechend aber leider auch quasi komplett ungelernt. Dies führt immer wieder zu fachlichen Katastrophen und viele Bauschritte müssen mehrfach wiederholt werden, weil die Resultate absolut inakzeptabel sind. Die Zimmererarbeiten im Dachgeschoss wurden dreimal komplett wieder abgerissen, ebenso die Stützen des Eingangsbereichs. Die Verschalung bei der Betonage wurde verkackt, wodurch die Hanfsteine beim Aushärten aus der Wand brachen. Die Dachsparren wurden im falschen Abstand zueinander gelegt, weil die Pläne nicht richtig gelesen wurden. Die Abdichtungsschichten des Daches wurden dilletantisch verlegt, wodurch sie wieder abgerissen und neu verlegt werden mussten. Das Treppenloch der Zwischendecke wurde zu groß gemacht, so dass wir im Dachgeschoss eine dringend benötigte Wand nicht stellen können… und das ist nur ein kurzer Abriss der vielen Fuck-ups, die wir in den letzten Monaten erlebt haben.

Hinzu kommt eine Arbeitsmoral, die zu wünschen übrig lässt. Im Schnitt sind vier Arbeiter vor Ort, von denen zwei meistens rauchen, einer dabei zuschaut, und der Vierte arbeitet mehr schlecht als recht. Was natürlich auch erklärt, warum sich Monat um Monat hinzieht, ohne dass wir merklich vorankommen.

Gepaart ist dieser Arbeitseinsatz mit ständigen Forderungen des Generalunternehmers, dass wir – entgegen allervertraglichen Absprachen – mehr Geld bezahlen müssen. Die Kassen seien leer und man könne sonst nicht weitermachen. Konstant wird mit Baustopp gedroht, obwohl alle Abschlagszahlungen gemacht wurden. Diese Abschlagszahlungen sind aber in die privaten Taschen des Generalunternehmers gewandert, während Drittfirmen (Baugerüst, Bauzaun, Bautoilette, Subunternehmer, Lieferanten) nicht bezahlt wurden. Kein Wunder dann, dass mehr Geld vorgeschossen werden soll.

Nachdem sich nun auch persönliche Drohungen mehren und Personen auf den Plan treten, die inoffiziell die Interessen des Generalunternehmers vertreten, sind wir am Scheideweg angekommen: Raus aus dem Bauvertrag (nur wie?) und teurere Ersatzfirmen finden, oder das Leiden mit dem Vertragspartner in eine endlose Länge ziehen. Stay tuned for more.

Einer hält den Spaten, und zwei schau'n ihm beim Halten zu.


- Element of Crime

Cover-Photo by Dimitri Karastelev on Unsplash