Es war uns anfangs gar nicht so klar, dass der erste Spatenstich so signifikant sein könne, dass man ihn groß feiern müsse. Aber nachdem sich nicht nur unser Hausbau im Allgemeinen (vor wievielen Jahren haben wir nochmal gekauft?), sondern auch der Baustart im Speziellen durch zahlreiche Hindernisse unerträglich in die Länge gezogen hatten, waren wir doch sehr froh, dass Michael kurzerhand bestimmte: Jetzt wird angestoßen!
"Our house, in the middle of the street."
- Madness, 1982
Im Gegenteil: wir waren sehr dankbar, dass Michael das Ganze kurzerhand in die Hand nahm, um ein kleines Event aus dem Baustart zu machen. Die Rohbauer wurden eingeladen, Familie und Nachbarn kamen zum Zuschauen und kühle Drinks waren serviert. Michael hielt eine vorzügliche Rede und während wir da so in der heißen Sonne standen und der Spaten in meiner Hand vor Vorfreude vibrierte, wurde es uns erst so langsam klar: Jetzt konnte es wirklich losgehen! Gleich würde, nach vielen Jahren des Wartens, der erste konstruktive Spatenstich in Richtung Hausbau gestoßen.
Es war nicht so wirklich vorgesehen, aber als Michael nach seiner Rede den offiziellen Spatenstecher nach vorne beorderte, fühlte sich der kleinste anwesende Spatenstecher – Juri – spontan berufen, seinem Vater (denn der hat ja Rücken!) die schwere Arbeit abzunehmen. Vorher war er noch fast auf dem Arm eingeschlafen, aber jetzt sprudelte er plötzlich vor Buddellust und nahm mir den Spaten fordernd aus der Hand.
Nun ja, dachte ich mir, warum auch nicht. Hätten alle Beteiligten – uns eingeschlossen – immer so eine blinde Einsatzwut gezeigt, würden wir vermutlich schon längst in unserem neuen Haus die Füße hochlegen können. Und so huben wir den ersten denkwürdigen Spatenstich gemeinsam aus, zu dem tosenden Applaus der anwesenden Gäste. Als ich da so mit dem vollen Spaten stand, machte ich mir noch kurz Sorgen, was man mit der ausgehobenen Erde denn nun eigentlich anfangen sollte (ins Loch zurück schütten? Neben das Loch? Über die Gäste verteilen? In alle Winde? Eine schöne Suppe draus kochen?). Aber nun kamen alle Kinder angeschossen und wollten auch buddeln, darum musste ich den Spaten ohnehin direkt weiterreichen. Es folgte ein munteres Buddel-Event, bei dem ich mich doch fragte, warum wir eigentlich den teuren Bagger für die Fundament-Legung gebucht hatten.

