Bei all der Misere in anderen Ecken der Baustelle ist es manchmal eine Wohltat, eine ganz simple Erfolgsgeschichte mitzuverfolgen. Denn manchmal kann es ja wirklich so einfach sein: Stein auf Stein. Dass man am Ende das, was man vorne aufgebaut hat, mit dem Arsch wieder einreißen kann, ist eine andere Geschichte.
Im Prinzip können wir uns in dieser Erfolgsgeschichte bei jedem Detail auf die Schultern klopfen, die dieses Gefühl in den letzten Monaten sicherlich sehr vermisst haben. Es geht um das allseits beliebte Thema der Gartenmauer. Dass wir irgendeine Form von Abgrenzung zu unseren 5 angrenzenden Nachbarsgrundstücken brauchten, war relativ schnell klar. Es ging ja nicht nur darum, dass uns die Nachbarskinder nicht die Brombeersträucher leerfressen – sondern vor allem wollten wir auch nicht, dass unser nächstes Jahr kommender Bullterrier besagten Nachbarskindern bei einem solchen Kavaliersdelikt die kleinen Kindergriffel abbeißt.
Wir versuchten also, bei der Reise vom Ausgangszustand (altes Abbruchhaus) zum gewünschten Zielzustand (hübsche sichere Gartenmauer) möglichst viele Zwischenstationen zu überspringen. Der effizienteste Weg war, Teile des Bestandshauses einfach stehenzulassen und diese als Gartenmauer zweckzuentfremden. Das bedeutete: keine neue Mauer bauen (win!), keinen unnötigen Bauschutt erzeugen (winwin!), Entsorgungskosten reduzieren (winwinwin!).
Zugegeben, wo gehobelt wird, da fallen Späne. Und wo abgerissen wird, da fallen Mauern. Die Gartenmauer aus dem Bestandshaus herauszuschälen war dementsprechend auch Schwerstarbeit – bei der dann auch gleich mal ein Teil der Mauer komplett zusammenstürzte. Dem Abrissunternehmen sei hier kein Vorwurf zu machen: Der eingestürzte Teil war marode und feucht, und das schon seit mehreren Jahrzehnten. Doch Schuldfrage hin oder her… wir hatten ein dickes Loch in der Mauer, durch das problemlos Kinderarme und Hundekiefer passten. Grübelnd standen wir auf der Baustelle zwischen den Schuttbergen und inspizierten die Lücke. Dann wieder die Schuttberge, dann wieder die Lücke. Und zurück.
Es war so offensichtlich: Wir würden die Lücke mit alten Steinen des Haupthauses wieder aufmauern. Das war so richtig smart – wieder Entsorgung und Schutt gespart und Altsteine recyclet. Langsam taten uns die Schultern vom Draufklopfen richtig weh. Und als dann noch mittels Holzrahmen eine schöne Betonabdeckung auf die Mauer gesetzt wurde, war diese Mauer so richtig herzeigbar. Und wir hatten die erste ernsthafte Erfolgsgeschichte der Baustelle abgeschlossen.
All in all, it was all just bricks in the wall.
- Pink Floyd, die genau wissen, wie einfach es sein kann.
Und falls es irgendjemand gewagt hat, an den Erfolgsbildern unter dem Erfolgstext vorbeizuscrollen, folgt hier die Auflösung der Geschichte, die doch fast zu gut war, um wahr sein zu können:
Bei der Abholung der kontaminierten Erde stieß der Bagger nämlich auf Fundamentreste im Boden, die noch mit der Gartenmauer verbunden waren. Als er diese achtlos anhob (Bagger können so grob sein!), hob sich unsere hüsche neue Gartenmauer aus dem Boden wie Phönix aus der Asche. Durch schnelle Reaktion des Baggerfahrers konnten weitere Schäden verhindert werden, aber unsere schöne Mauer schaut jetzt eher schief aus der Wäsche. Nun ja, wie gewonnen, so zerronnen.

