Der Slogan „Rein ins Leben“ von Immoscout24 trifft es eigentlich ganz gut, als wir beschlossen haben, das gruseligste Haus in Weißensee zu ersteigern. Der Grundriss des Bestands war U-Förmig. Wir fanden das besonders. Allerdings war es auch super dunkel, denn dank der Grenzbebauung gab es außen an den Wänden keine Fenster. Und auch in dem U selbst, waren die Sicht sehr eingeschränkt.
Es gabe neue, verrückt eingesetzt Plastikfenster. Alle waren unterschiedlich und wir hatten den Eindruck, dass die Wand dafür einfach nur aggressiv herausgekloppt wurde und dann eingesetzt. Festgemacht wurde fast alles in dem Haus mit Bauschaum: Fenster, Heizungen und Wände. In dem rechten Flügel waren total alte Fenster, die sicherlich ähnlich alt waren, wie der Flügel.
Unser Architekt fand eine Mappe im Archiv der Stadtentwicklung von 1870. Das Haupthaus steht also schon so lange, und auch der rechte Flügel ist ähnlich alt. Dort haben wir während des Abriss noch einige Überraschungen gefunden. Die Mappe musste vorsichtig von den Beamt:innen aufgetrennt, gescannt und wieder zugenäht werden.
Das Haus hatte zwei gruselige Keller. Es war super schwierig in den Keller zu kommen. Die selbstgemachten Stufen waren unstetig und voller Laub und Ästen. In einem waren unheimlich viele Einmachgläser und alte Weine. Die waren leider nach der Räumung weg. Und dann gab es noch einen zweiten Keller, der unter der Garage war. Ein Gewölbekeller, der über eine steinernde Wendeltreppe bis zum Boden zugänglich war. Weiter sind wir leider nicht gekommen, denn der komplette Gewölbe war zugeschüttet. Ich bin gespannt, was wir da noch finden!
Die Zimmer waren voller verrückter Dinge. In einem Zimmer gab es viele alte Kameras und komplettes Fotozubehör sauber geordnet und verstaut. In einem anderen Zimmer langen unendliche viele verschiedene Schreibmaschinen über- und nebeneinander gestapelt. Viele Geschichten haben wohl die ehemaligen Bewohner:innen dort erlebt. Wir haben sie nie kennengelernt.
Eigentlich wollte wir im Bestand bauen. Die Ansage an den Architekten war: Villa Kuntabunt mit Stil inklusive Durchbruch in die Decke für die Feuerwehrstange. Aber nach der Entkernung war klar, wir müssen Abreißen: Steine mit Schadstoffen, morsche Balken, die zum Teil während der Bauarbeiten herunter gekracht sind waren unser Endgegner. Die Sanierung wäre aufwändig und ähnlich teuer wie der Abriss plus Neubau geworden. Und dann hatten wir die Wahl: alle Pläne nochmal über den Haufen geworfen, neu angelegt und gedacht. Was für eine Arbeit, aber: Neustart. Rein ins Leben.

