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Neubau
2-Gefühle-Gefühle

Im Gegensatz zu uns Millenials und Gen-X’ern lernen unsere Kinder heutzutage in der Schule wichtige Details über die Komplexität von Gefühlen – es lohnt sich dabei, gut zuzuhören. Denn mit diesem emotionalen Rüstwerk ist es mir nun auch möglich, die Widersprüchlichkeit unserer Gefühle bezüglich des aktuellen Wetters in Fachtermini auszudrücken.

Ella erklärte es mir nach der Schule ungefähr so: „Wenn man sich auf etwas freut, ist das ein Gefühl – das ist leicht. Wenn aber zum Beispiel meine Ferien zuende sind und ich von Opa und Oma nach Hause fahren muss, dann freue ich mich sehr auf zuhause, bin aber auch traurig, weil ich Opa und Oma verlasse. Das ist dann ein 2-Gefühle-Gefühl.“ Das Konzept ist also einfach und auch erweiterbar, wir haben dann auch noch über 3-Gefühle-Gefühle-Gefühle gesprochen, aber das würde an dieser Stelle zu weit führen. Jedenfalls fand ich diesen Ansatz, widersprüchliche Gefühle auszudrücken, geeignet, um mal wieder über Klima und Wetter zu schreiben.

Seit ungefähr November sind wir uns darüber im Klaren, dass wir den Rohbau des Hauses nicht wie geplant fertig kriegen werden und wir durch den Winter bauen müssen. Dies hat viele Implikationen für den Bauprozess (z.B. muss man vorgeheizten Beton für unsere Wandscheiben verwenden) und besorgt uns natürlich vor allem, weil die Hanfsteine – im Gegensatz zu Porenbeton – das Wasser in sich aufnehmen. Und Feuchtigkeit ist wirklich etwas, das man in der Bausubstanz seines Hauses nicht haben möchte. Wir sind also gezwungen, die Hanfsteine bestmöglich von oben abzudecken, wenn es regnet. Und wenn es zu kalt wird, muss das Mauern eingestellt werden, denn der Mörtel benötigt Plusgrade. Glücklicherweise ist der aktuelle Winter aber extrem mild.

Glücklicherweise?, werden viele fragen. Denn hier kommt bei uns klar ein 2-Gefühle-Gefühl ins Spiel. Jeden Morgen checke ich bei diversen Wetter-Apps für den aktuellen Tag und die Folgetage das angekündigte Wetter, denn dies bestimmt den Bauablauf. Natürlich freue ich mich dann über hohe Temperaturen und wenig Regen und Schnee (=> das gute Gefühl). Gleichzeitig ist uns aber auch allen bewusst, dass es eigentlich viel kälter sein müsste und die Kinder wollen so gerne Schneemänner bauen und Schlittenfahren. Das sollte in so einem Winter in Berlin eigentlich ab und zu mal machbar sein. Der Klimawandel lässt es aber nicht zu und verantwortet erneut einen viel zu milden Winter (=> das schlechte Gefühl). Was uns wiederum darin bestätigt, dass wir mit unserem Bau und diesem gesamten Projekt umweltfreundliches Bauen nicht nur praktisch umsetzen, sondern auch andere dazu animieren wollen, es uns gleich zu tun. Was dann schon wieder gut und ein proof of concept ist – womit wir dann jetzt doch bei den gefürchteten 3-Gefühle-Gefühle-Gefühlen gelandet sind.

Nichtsdestotrotz führt aber auch ein milder Winter immer mal wieder zu Regen und Schnee. Uns bleibt also oft nichts anderes übrig, als die Steine mit vielen Folien abzudecken und vor allem den innen unter Wasser stehenden Bau im Bodenbereich abzudichten. Hierfür muss eine Bitumen-basierte Abdichtung im Bodenbereich angeschweißt werden, die das Eindringen von Feuchtigkeit verhindert. Die praktische Frage muss sofort lauten: aber was ist mit der Feuchtigkeit, die bereits in die Steine eingedrungen ist? Da es sich bei Hanfkalksteinen um diffusionsoffene Bausubstanz handelt, diffundiert die Feuchtigkeit nach außen, sobald die Temperaturen steigen und die umgebende Luftfeuchtigkeit abnimmt. Bei der unteren, abgedichteten Steinreihe würde dies bedeuten, dass die Feuchtigkeit zuerst nach oben und dann nach außen diffundiert, da sie unten in der Abdichtung keinen Ausweg findet. Das Feuchtigkeitsproblem, das durch die Verwendung natürlicher Baustoffe entsteht, wird also durch die natürlichen Eigenschaften der Baustoffe selbst gelöst. Auch wieder so eine Art 2-Gefühle-Gefühl. Praise be!