Wenn auf einer Baustelle Steine brechen, die eigentlich mal ein Haus werden wollten, dann sehen Bauherren- und Damen schnell ihren Traum vom Eigenheim ebenso brachial in Stücke fallen. Dass das Ganze aber kein Grund zur Sorge ist, wird erst beim genaueren Hinschauen sichtbar. Und hat im Falle der Hanfsteine sogar einen positiven Nebeneffekt.
If life gives you broken bricks: Recycle them!
Erstmal haben wir natürlich einen Schreck bekommen, als zerbrochene Hanfsteine auf dem Boden der Baustelle herumlagen. Die Bauarbeiter stiegen aber nonchalant über die Bruchstücke und kümmerten sich nicht darum – wir merkten also schnell, dass wir uns der Sache wohl etwas zu dramatisch annäherten. Doch wir dachten uns, gerade diese bröckeligen Hanf-Babys, die uns ja nicht zuletzt im Oktober beim Betonfüllen komplett aufgebrochen waren, bedurften doch unseres besonderen Schutzes. Und immer wieder wurden wir Zeugen davon, dass sich auch in den Wänden unseres Future Homes angebrochene Steine befanden. Als Laie fragt man sich da schon, ob das so muss.
Längere Gespräche mit zertifizierten Auskennern beruhigten uns dann aber. Ein bisschen Schwund ist immer und eingeplant ist der eine oder andere Steinbruch ebenfalls. Bei Steinlieferungen ist es Usus, dass die detaillierten Architektenpläne als Grundlage überliefert werden und die Lieferanten das nötige Material dafür stellen müssen. An dieser Stelle wird generell mit ca. 10% Steinbruch gerechnet. Nicht nur beim Hanf, auch bei anderen gängigen Baustoffen. Wenn das Verhältnis des Bruchs über 10% liegt, ist das in erster Linie schlecht für den Lieferanten, der dann wiederum in bessere Steinqualität investieren muss – das Ganze reguliert sich also ganz gut selbst.
Und was war nun mit den angebrochenen Steinen in den bestehenden Hausmauern? Das ist eher ein Symptom des Hanfbaus, aber ebenfalls halb so schlimm. Die Steine haben keine tragende Eigenschaft (die wird vom Beton und Stahl realisiert) und dürfen somit ein wenig bröckelig daherkommen. Und um eine für alle zufriedenstellende und für den Putzauftrag geeignete ebene Oberfläche zu schaffen, werden diese Lücken einfach mit derselben Hanf-Kalk-Wasser-Mixtur ausgebessert, die wir auch schon für das Füllen der falsch gelieferten Hanfsteine verwendet hatten. Natürlich alles ganz natürlich.
Besonders viel Steinbruch hatten wir bei unserem Faux-pas im Oktober, als die Hanfwände wegen mangelhafter Betonage-Verschalung aufbrachen. Die gebrochenen Steine wurden inzwischen komplett aus den Wänden des Erdgeschosses gebrochen und in bröseligen Haufen gelagert, wo sie uns ein paar Tage lang vorwurfsvoll anblinzelten. Und als es dann letzte Woche so richtig prima anfing zu regnen und man kaum noch einen Schritt auf der Baustelle machen konnte, ohne im Matsch zu versinken, kamen wir auf die gute Idee, das natürliche Hanfkalk-Material zur Festigung des Bodens zu verteilen.
In der Sorge um die Steine und dem Ärger um den matschigen Boden haben uns die Hanfsteine hier also einen guten Dienst erwiesen. Da es sich um natürliche Rohstoffe handelt, konnten wir diese ohne Bedenken auf unserer Baustelle verstreuen und für mehr Standsicherheit sorgen. Sicher, mit gebrochenen Porenbetonsteinen wär das auch gegangen, aber dann hätten wir uns hinterher alle auf der Baustelle so bewegen müssen, wie die barfüßigen Eltern am Sonntagmorgen, wenn Juri die Duplo-Kiste ausschüttet.

