Oder: Was der Wärmedämmgrad von Fenstern mit Grillsteaks zu tun hat.
"The fluttering of a butterfly’s wings can effect climate changes on the other side of the planet."
- Paul Ehrlich
Dass es uns erst jetzt einfällt, das alltägliche Baustellen-Geschehen mit der Chaos-Theorie in Verbindung zu bringen, ist auch für uns überraschend. Wo es doch so nahe liegt – doch manchmal sieht man eben den Wald vor lauter Bäumen nicht. In diesem heutigen Fall schrie uns der Wald jedoch förmlich an, dass alles auf der Welt miteinander verbunden ist und der Flügelschlag eines Schmetterlings auf der anderen Seite der Welt einen Hurricane vor Deiner Haustür auslösen kann.
Der Flügelschlag in unserem Fall war eine kleine Fehlberechnung unseres Statikers. Um die Dämmung und somit u.a. die Energieeffizienz eines Hauses zu ermitteln, müssen die verschiedensten Berechnungen angestellt werden. Hierbei spielen die einzelnen Teile des Hauses eine tragende Rolle (pun intended): wie dick sind die Wände und Fenster, wie stark ist die Dämmung des Daches oder des Bodens? Alle Bestandteile werden mit den zur Ausstattung zugehörigen Koeffizienten versehen werden (z.B. hat ein dünnes Einfachglas-Fenster einen schlechten Koeffizienten und ein dickes Isolierglas-Fenster einen guten).
Wenn es nun geschieht, dass einer dieser Koeffizienten falsch gewählt wird, kann dies die gesamte Berechnung der Energieeffizienz sabotieren. Was im schlimmsten Fall zum Verlust der KfW-Förderung für umweltfreundliches Bauen führen kann. Also known as: Wir lassen das mit dem Bau, und wohnen ab jetzt lieber in unserer schönen Privatinsolvenz. Zum Glück fiel unserem Architekten die Abweichung aber noch rechtzeitig auf, und jetzt hieß es: Stellschrauben justieren, um die Energieeffizienz noch irgendwie zu retten.
"Barbecue may not be the road to world peace, but it's a start."
- Anthony Bourdain
Unsere Fenster waren also fälschlicherweise auf dem Papier als viel effizienter berechnet worden, als sie es in der Realität werden. Dementsprechend mussten wir an anderer Stelle besser werden. Hm, die Wände? Die sind eigentlich untouchable. Das Dach? Da sind wir schon am kompletten Maximum. Der Boden? Tja, das wäre eine Idee, wenn wir da nur nicht gerade aktiv dran arbeiten würden und Änderungen daran den aktuellen Bauablauf komplett zerrütten würden und eigentlich möglichst schon gestern abgeschlossen sein müssten. Nun, ein besserer Deal war aber nicht in Sicht, und so wurden sofort Berechnungen gemacht und die guten Leute auf der Baustelle angewiesen: Die Schaumglasschotter-Dämmung des Bodens muss einen halben Meter dicker werden, dementsprechend muss der Erdbereich innerhalb des Streifenfundaments nochmal per Hand/Schaufel tiefergelegt werden. Denn leider kommen da keine Bagger mehr hin, nachdem der Betonstreifen schon gegossen worden war.
In der Folge mussten die armen Bauarbeiter bei 30° im Schatten (btw, Schatten gibt es auf unserer Baustelle meistens nicht) zwei Tage lang schaufeln und per Schubkarre das Erdreich abtragen. Unser Mitleid war groß… Michael organisierte in der Folge einen Grill und die Männer konnten den Freitag-Abend mit einem Gratis-BBQ ausklingen lassen. Vielleicht ein schwacher Trost für einen Knochenjob… aber eine gute Erinnerung daran, wie die kleinsten Fehlkalkulationen am Bau oft die größten und teuersten Auswirkungen haben können.
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